Politik
Randbemerkung
Man
hört von Aufmärschen justizgeschützter Neonazis. Man
hört und liest auch von Massenprotesten gegen solche Aufmärsche
und gegen andere Aktionen von Neonazis. Aber die Proteste, so wichtig
sie sind, gehen doch am Kern des Problems vorbei. Zumal die Demonstranten
oft durch Polizeimaßnahmen und Justizverfahren attackiert und/oder
bestraft werden. In dieser Parteinahme für Rechtsaktivitäten
zeigt sich deutlich: Solches Vorgehen ist in den Gesetzen des Rechtsstaates
festgeschrieben. Und gleichermaßen festgeschrieben in den Köpfen
jener Richter und Justizpersonen, die in derartigen Gesetzen eine Handhabe
finden, ihre rechte Gesinnung, Verzeihung: ihre nach rechts orientierte
Gesinnung mit einem gesetzlichen Anstrich zu versehen. So meinen ja
viele, viel zu viele arglose Bürger, wenn etwas gerichtlich geregelt
sei, habe die Angelegenheit schon ihre Richtigkeit. Irrtum. Es sind
die Gesetze, oder jedenfalls nicht wenige Gesetze, die einem vorgeprägten
Kreis von Gerichtspersonen ermöglichen, Neonazis Schützenhilfe
zu leisten, wenn diese z.B. die Waffen-SS der Altnazis verherrlichen.
Ja, denkt da der arglose Bürger, wenn die das dürfen, dann
ist das wohl auch rechtmäßig. So sollen sie auch denken.
Seid untertan (oder Untertan?) der Obrigkeit. Das Gesetz aber i s t
die Obrigkeit. Es wird vom Parlament erlassen. Von dort wird es auch
unterlassen, solche Gesetze zu beseitigen. Es ist der Geist der Obrigkeit.
Also muss sich zu den Protesten gegen neue und alte Nazis vor allem
der Protest gegen ein nach rechts orientiertes Gesetzwesen der Obrigkeit
richten. Dort liegt der Kern des Problems. Das wusste schon der alte
Goethe als er den Satz schrieb: „Es erben sich Gesetz und Rechte
wie eine ew’ge Krankheit fort.“(„Faust 1“)
" Waldkauz“
Linksbündnis
Nun haben sich linke Kreise in Deutschland trotz unterschiedlicher Bedenklichkeiten
und trotz Anfeindungen seitens neoliberaler und anderer konservativer
Kräfte doch zu einem Wahlbündnis zusammengerauft. Ihr gemeinsamer
Name "Die Linken" benennt zunächst einen Kristallisationspunkt,
an den weitere Linkskräfte andocken können. Denn Die Linken
als Partei umfassen ja nicht die Gesamtheit der Linken, wie das etwas
weit ausholende Geschlechtswort "Die" nahe legen mag. Es gibt
sicher Linke, die sich vielleicht noch ablehnend oder abwartend verhalten
gegenüber einem Linksbündnis überhaupt oder dem Bündnis
Die Linken im besonderen.
Wie auch immer. In seiner Kritik zum Gothaer Programm meint Marx: "Ein
Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend guter Programme."
Dem darf man wohl hinzufügen: Wichtiger auch als eigenbrötlerische
Linke, die keine Heimat finden können. Manche gestandene Linke,
meist mit anarchistischem oder trotzkistischem Touch, bemängeln
Die Linken als Softis, die nicht bissig genug seien, und andere sprechen
sogar von Verrat am Sozialismus, da dieser Begriff nicht im Namen enthalten
ist. Sie jedoch deswegen einfach links liegen zu lassen, wäre einer
Linkspartei nicht angemessen. Sofern solche Linksaußen aktuellen
Argumenten gegenüber verschlossen sind, bleibt doch die Hoffnung
darauf, dass auch künftig "Ein Schritt wirklicher Bewegung
..." ihnen neue Impulse verleiht.
Dennoch kann man nicht umhin, sich wohl Gedanken über weitere Schritte
zu machen.
Linke Bündnisse stehen vor ihrem Zustandekommen immer vor erheblichen
Schwierigkeiten. Im Gegensatz zu den Bündnissen des großen
Kapitals. Warum? Weil das Großkapital immer ein dominierendes
ideologisches Ziel hat: Sicherung der Macht zur Sicherung seines Besitzes.
Dieses Bestreben wird stets von einer zentralen Macht innerhalb des
kapitalistischen Lagers gebündelt. Der stärkste Konzern, die
stärkste Industrie- und/oder Finanzgruppe übt entsprechenden
finanziellen Druck auf die anderen aus, sich dem Bündnis unterzuordnen.
Sehr deutlich wurde das bei der Finanzierung Hitlers durch eben dieses
Industrie- und Bankkapital. Auch diejenigen, die von den Nazischlägern
nicht begeistert waren, begriffen doch, dass es um ihr Geld ging, welches
sie von der revolutionären Linken bedroht sahen. Geld ist in diesen
Kreisen die übergreifende Ideologie.
Verständlich, dass es Linken nicht nur an Geld fehlt, sondern auch
an der Einstellung, Bündnisse unter ideologischem oder materiellem
Druck zu erzwingen. Der Zwang dazu geht einzig und allein von der politischen
Situation aus. Die politische Situation ist in Deutschland gegenwärtig
objektiv vorhanden. Sie wird jedoch in den verschiedenen linken Kreisen
und Gruppen unterschiedlich bewertet. Und unterschiedlich werden auch
die Möglichkeiten beurteilt, dieser Situation realistisch Rechnung
zu tragen. Unbestreitbar wächst dennoch die Erkenntnis, der zur
Zeit regierenden Koalition eine linke Alternative entgegen zu setzen.
Das erforderliche linke Zusammengehen wird derzeit durch zwei Fragen
belastet. Die erste und naheliegendste betrifft widerstreitende Auffassungen
innerhalb bestimmter linker Gruppen über Zustimmung oder Ablehnung
eines Zusammenschlusses mit anderen, und sie betrifft das Misstrauen
linker Gruppen gegenüber möglichen Bündnispartnern. Unverkennbar
ist hierbei der Einfluss etablierter Medien, Politiker und prominenter
neoliberaler Wirtschaftskreise. Sie alle mühen sich ab, mit Unterstellungen,
Halbwahrheiten und Lügengeschichten sowie historischen Entstellungen
und mit dem Schüren von Voreingenommenheiten den Zusammenschluss
zu unterspülen.
Der zweite Problemkomplex betrifft mehr zukünftige Aufgaben eines
Bündnisses, wird jedoch von den Gegner sozusagen prophylaktisch
unter Feuer genommen. Hierbei geht es vor allem um alternative Vorstellungen
einer sozial gerechteren Politik, Möglichkeiten ihrer Finanzierung,
Verteilung des Nationaleinkommens, Umbau des Arbeitsmarktes und andere
Schwerpunkte sozialer Politik. Die gegnerischen Schlagworte zur Verunsicherung
der Wähler sind gekennzeichnet durch abwertende und verunglimpfende
Vokabeln wie "illusionistisch" oder "populistisch",
und nicht zuletzt durch das angeblich realistische Schlagwort vom Standort
Deutschland.
Da steht die Linke also vor einem Wust von Angriffen. Sie hat jetzt
zwar mit einer ansehnlichen Fraktion den Einzug ins Parlament geschafft,
doch stehen viele Linke noch unentschlossen oder gar ablehnend heimatlos
im Raum, großenteils von jenem Trauma gelähmt, das die Verbrechen
Stalins und die Deformierungen durch andere Führer der Sowjetunion
sowie der DDR der ersten sozialistischen Revolution angetan haben.
Verständlich also, dass Neoliberale und andere Konservative ihre
Argumente aus dieser Mottenkiste holen, um Wähler vor einem Bündnis
der Linken abzuschrecken.
Dennoch oder gerade deshalb sollten Linke weiter denken. Wenn eine demokratische
Linke sich etabliert, wenn sie im Parlament vertreten ist, wird sie
noch nicht stark genug sein, ihre proklamierten Ziele durchzusetzen.
Diese Erfahrung wird sie nicht nur in den Parteigremien machen und vielleicht
sogar erkennen. Diese Erfahrung wird sicher nicht nur in den Parteigremien
Raum greifen, sondern auch von ihren Sympathisanten registriert. Es
wird sich zeigen, dass die kapitalistischen Kräfte der Gesellschaft
die Realisierung von sozialen oder gar sozialistischen Programmen zu
verhindern suchen. Wobei ihnen die Globalisierung ein nützliches
Vehikel ist, den Widerstand des internationalen Kapitals und der internationalen
Politik zu organisieren. D.h. ihre contrasozialen Positionen, ihre Spaltungsversuche,
Ihre Bestechungsaktionen und Medienhilfe für opportunistische Ideen
und Aktionen auszubauen. Und - last but not least - die Rivalitäten
und Machtkämpfe in den eigenen Reihen der Linken hoch zu puschen.
Die Linke hat also auch als Parlamentsfraktion Grund genug, den Neoliberalen
und anderen sozialfeindlichen Kräften in und außerhalb der
Koalition kein Vertrauen entgegenzubringen. Dazu muss sie unbedingt
ihre Blauäugigkeit, ihre Erwartung auf ein fair play der Gegenseite
vor Betreten des Raumes an der Garderobe abgeben. Wie das Verhalten
einer Mehrheit des Parlaments bei der Wahl des zum Vizepräsidenten
vorgeschlagenen Parlamentsmitgliedes der Linken Lothar Bisky offenbarte,
gibt es bei sozialfeindlichen Kräften keine Blauäugigkeit,
kein fair play gegenüber dem Andersdenkenden, sondern nackten Hass
und erbitterte Feindschaft, gibt es nur - marxistisch gefasst - Klassenkampf
pur. Auch wenn einzelne Mitglieder oder kleine Gruppen der Linksgegner
im Parlament das Verhalten ihrer Parteifreunde peinlich finden, ist
es doch immer die Mehrheit, die den Ton angibt. Es sollte dennoch unter
Linken die Regel gelten, sich die Kräfte auf der anderen Seite
genau anzusehen und mit moderaten Gegnern auch moderat umzugehen. Das
wird nicht immer leicht sein.
Zum Bild einer Linkspartei in der Öffentlichkeit gehören noch
wichtigere Dinge. Vor allem ist sie verpflichtet, ihre strategischen
Schwerpunkte darzulegen. Es genügt nicht, soziale Gerechtigkeit
zu proklamieren. Viel mehr muss geklärt werden, welche sozialen
Felder vorrangig bestellt werden sollen. Welche sozialen Ziele können
auch unter Minderheitsbedingungen auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Damit werden die gegnerischen Kräfte gezwungen, Farbe zu bekennen.
Wahrscheinlich kann es der Linken im Parlament überhaupt nur darum
gehen, Jedenfalls was die aktuelle parlamentarische Arbeit angeht. Es
versteht sich, dass weiterhin das außerparlamentarische Auftreten
der Linkspartei von großer Wichtigkeit für ihr soziales Engagement
ist, im Sinne des Wortes: : "Ein Schritt wirklicher Bewegung ist
wichtiger als ein Dutzend guter Programme."
<Waldkauz>
22.11.2005
Hexenjagd
Die Welt unserer Vorfahren war stets erfüllt
von tiefer Furcht vor Göttern und Gespenstern.
Zählt man die Götter des Altertums oder der Antike noch zur
Mythologie, so gehören Gespenster wohl mehr ins Reich des Aberglaubens.
Die Menschen selbst haben damals solche Unterscheidungen nicht gekannt.
Für sie war ihre Vorstellungswelt schlicht ihre wirkliche Welt.
Dazu zählte auch die Vorstellung von Hexen und Teufeln.
Zur Qualität des menschlichen Gehirns gehört zweifellos die
Fähigkeit, Phantasie zu entwickeln. Sie ermöglicht es, Dinge
der Wirklichkeit gedanklich miteinander in solche Beziehungen und Wechselbeziehungen
zu bringen, die es in der Realität gar nicht gibt. Dieser Gabe
verdanken wir große Erfindungen ebenso wie wissenschaftliche Erkenntnisse,
Kunst und Literatur. Eben alles, was der menschliche Geist an Schöpfertum
zu leisten vermag.
Leider kann es auf diese Weise auch zu Fehlleistungen kommen. Dann,
wenn der umgekehrte Fall eintritt, wenn nämlich Gegenstände
der Phantasie als real genommen und von den Mitmenschen der Umwelt oder
eines Teils von ihnen als real akzeptiert werden. So entstehen Mythen,
Sagen und Religionen. So entstehen Engel und Teufel und Hexen.
Zur Zeit des Hochmittelalters hatte das Christentum in Europa eine dominante
Stellung erreicht.
Es beherrschte nicht nur die Köpfe der Menschen, sondern vor allem
die realen weltlichen Machtpositionen. Kaiser und Könige, Fürsten
und Herzöge und der gesamte Adel waren katholisch indoktriniert.
Nicht nur das. Kirchenfürsten – am bekanntesten wohl Kardinal
Richelieu – übten weltliche Machtpositionen aus. Erzbischöfe
kontrollierten die weltlichen Herrscher auf die Übereinstimmung
ihrer Politik mit den Postulaten der katholischen Kirche. Zwar gab es
immer wieder Oppositionen dagegen und Abweichungen vom Rechten Glauben
wie die große antikatholische Bewegung der Katharer, einer immerhin
christlichen Sekte, die blutig niedergemetzelt wurde. Doch alles lief
unter religiösem Vorzeichen ab. So wurde Jeanne d’Arc 1431
nicht wegen ihres Kampfes gegen die britische Besatzung, sondern als
Hexe verbrannt. Was natürlich ein heuchlerischer Vorwand war. Damit
diente der Hexenwahn also auch als Vorwand zur Verfolgung politischer
Gegner der herrschenden Macht.
In diesen Miasmen religiöser Frömmelei und eines allgegenwärtigen
Hexenglaubens erwuchs oft aus ganz niederen Denunziationen jener schreckliche
Hexenwahn. Es genügte, eine Nachbarin als Hexe zu bezeichnen, um
sie auf den Scheiterhaufen zu bringen. Dazu bedurfte es für die
Gerichte auch keines Beweises.
Vor kurzem brachte Antenne Brandenburg ein Gespräch anlässlich
eines Jahrestages der Hexenverbrennung in dieser Stadt. In der Gesprächsrunde
wurde als wesentliche Ursache der Hexenverfolgungen die geistige Atmosphäre
jener Zeit hervorgehoben. Außerordentlich aktuell äußerte
sich ein Teilnehmer, indem er darauf hinwies, dass es bis in unsere
Zeit hinein analoge geistige Verwerfungen gibt. Ganz abgesehen von der
Judenverfolgung und Judenvernichtung des 20. Jahrhunderts, sagte er,
was anderes als ideologische Borniertheit sei denn der Vorgang um Lothar
Bisky, als der Bundestag seine Wahl zum Vizepräsidenten ablehnte.
Es genüge ja oft, jemanden einfach nur mit dem Wort IM zu belegen,
und schon habe er die Meute auf dem Hals. Der Auftritt der Frau Birthler
vor den Bundestagswahlen beweist es gleichermaßen.. Obwohl schon
des öfteren seitens der Gerichte festgestellt wurde, dass es keine
Beweise für eine IM-Tätigkeit Gregor Gysis gibt, trat sie
mit der gleichen IM-Beschuldigung wieder an die Öffentlichkeit.
Nach Beweisen befragt musste sie bestätigen, dass es solche nicht
gibt. Hexenatmosphäre.
War es im Mittelalter das Reizwort Hexe, das Verfolgung und Verurteilung
bewirkte, so ist es gegenwärtig in Deutschland das Reizwort IM.
Gab damals die Kirche über den Papst das Stichwort, um die Hysterie
zu entfachen, so übernehmen heute systemorientierte Politiker,
Parteifunktionäre und Medien solche Stimmungsmache mit den Buchstaben
IM. Es geht dabei nicht nur darum, Einzelpersonen an den Pranger zu
stellen, sondern immer auch um eine Delegitimierung der DDR, wie es
nach der Wende Minister Kinkel forderte. Es genügt den Herrschenden
in Deutschland nicht, sich die DDR einverleibt zu haben, ihre Industrie,
ihre Wirtschaft, ihre Gesundheits- und Sozialsysteme platt gemacht zu
haben, sie muss auch aus den Köpfen, aus der Erinnerung herausoperiert
werden. Man traut den Massen nicht, die selbst die DDR liquidiert haben
und dem Westen in die Arme gelaufen sind. Denn in den Etagen der Macht
weiß man sehr genau, dass die nur kamen, um sich der Westmark
zu bemächtigen. Ihr Slogan der Straße war ja unmissverständlich:
„Kommt die D-Mark nicht nach hier, kommen wir zu ihr.“ Jene
aus dem Osten aber, die eine andere, eine bessere, eine demokratische
DDR wollten, sie waren ja nicht verschwunden. Ihre Vorstellungen waren
nur nicht aufgegangen. Und das durften sie auch nicht. Deshalb erfolgte
und erfolgt gemäß Herrn Kinkels Order die Delegitimierung,
sprich Diffamierung der DDR als Unrechtsstaat. Dazu gehört auch
eine Jagd auf IM, wie sie von westdeutscher Seite nicht einmal gegen
Funktionsträger des Faschismus betrieben wurde. Sehr schnell gab
es dort die sogenannten Persilscheine. Das waren Unschuldsbescheinigungen
für ehemalige NSDAP-Mitglieder bis zu Spitzenfunktionären,
für Denunzianten der Gestapo genauso wie für KZ-Ärzte,
die grauenhafte Experimente an lebenden Menschen vornahmen. Adenauer
selbst holte sich als Staatssekretär den Kommentator der Nürnberger
Rassengesetze Globke ins Amt. Hohe Militärs der Naziarmee,
Blitzkriegsstrategen und Durchhaltegeneräle erhielten den Auftrag,
die Bundeswehr aufzubauen. Wer sich dafür interessiert, kann sich
in dem neu erschienenen "BRAUNBUCH - Kriegs- und Naziverbrecher
in der Bundesrepublik und Westberlin" umfassender informieren.
Einst in der DDR herausgegeben, wurde das Buch dann Ende der 60iger
Jahre aus dem Verkehr gezogen, um die sich anbahnende Normalisierung
zwischen Bonn und Berlin nicht zu gefährden. Aber die Fakten auf
544 Seiten stimmen heute wie damals. Besonders geeignet für Journalisten
zum Nachschlagen.
Nun ist eine neue Linke aufgetaucht. Und das bedeutet für alle
etablierten Amtsinhaber, Parteien, Politiker, Medien – Alarm.
Also Feuer auf Gregor Gysi, Feuer auf Lothar Bisky! Feuer auf alles
Linke! Alle Stichworte frei!
Etwas nur ist verwunderlich. Die klugen Führungsleute der Linken
betrachten die Affronts gegen ihre Mitstreiter anscheinend immer noch
als Attacken gegen einzelne Personen. Natürlich bieten linke Persönlichkeiten,
die bereits vormarkiert sind, ein leichteres Ziel als andere. Aber das
darf doch nicht darüber hinweg täuschen, dass die etablierte
Klasse ihr Feuer immer gegen die Linke als ihren Hauptfeind richtet.
Die Diffamierung und Verleumdung linker Protagonisten richtet sich gegen
die gesamte Linke. Es wäre doch blauäugig anzunehmen, die
herrschende Klasse habe den Klassenkampf aufgegeben, nur weil die Linke
es geschafft hat, ins Parlament zu kommen. Im Gegenteil. Die Fronten
werden deutlicher. Die Hysterie wächst.
<<< Waldkauz >>>
Aus
der Nobelpreis-Rede von Harold Pinter in „Neues Deutschland“
10./11. Nov. 2005, S. 19
Zitat 1 : „Jeder weiß, was in der Sowjetunion und in ganz
Osteuropa während der Nachkriegszeit passierte: die systematische
Brutalität, die weitverbreiteten Gräueltaten, die rücksichtslose
Unterdrückung eigenständigen Denkens. All dies ist ausführlich
dokumentiert und belegt worden. Aber ich behaupte hier, dass die Verbrechen
der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige
denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt
als Verbrechen wahrgenommen worden sind.“
Zitat
2 : „ ... Ich gehörte der Delegation an ( in der amerikanischen
Botschaft in London – Anmerkung Red. Blätterw.), die für
Nicaragua sprach, doch das wichtigste Delegationsmitglied war Father
John Metcalf.
Der Leiter der amerikanischen Gruppe war Raymond Seitz (damals nach
dem Botschafter die Nummer Zwei, später selber Botschafter).
Father Metcalf sagte: ‘Sir, ich leite eine Gemeinde im Norden
Nicaraguas. Meine Gemeindemitgliederhaben eine Schule gebaut, ein medizinisches
Versorgungszentrum, ein Kulturzentrum. Wir haben in Frieden gelebt.
Vor einigen Monaten griffen Contra-Truppen die Gemeinde an. Sie zerstörten
alles: die Schule, das medizinische Versorgungszentrum, das Kulturzentrum.
Sie vergewaltigten Krankenhausschwestern und Lehrerinnen, schlachteten
die Ärzte aus brutalste ab. Sie benahmen sich wie Berserker. Bitte
fordern Sie, das die US-Regierung diesen empörenden terroristischen
Umtrieben die Unterstützung entzieht.’
Raymond Seitz ... genoss in diplomatischen Kreisen großes Ansehen.
Er hörte genau zu, zögerte und sprach dann mit großem
Ernst: 'Father’, sagte er, 'ich möchte Ihnen etwas sagen.
Im Krieg leiden immer Unschuldige.’
Es herrschte nun eisiges Schweigen. Wir starrten ihn an. Aber er zuckte
ja nicht einmal mit der Wimper.“
Fortsetzung
möglich
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